Deutscher Kongress für Geographie 2017

Eine Welt in Bewegung • Erforschen - Verstehen - Gestalten
30.9. – 5.10.2017 / Eberhard Karls Universität Tübingen

Deutscher Kongress für Geographie 2017

Eine Welt in Bewegung • Erforschen - Verstehen - Gestalten
30.9. – 5.10.2017 / Eberhard Karls Universität Tübingen

Kongressdetails

Journal Lectures

Wie auch in den Vorjahren laden Fachzeitschriften zu eigenen Journal Lectures ein. Haerausgeber und ausgewählte Autoren präsentieren in diesem Format ihre Zeitschrift und aktuelle Ergebnisse ihrer Forschung.
   

Oikopolitik – für eine Sozialgeographie des Wohnens im Anthropozän
Samstag, 30. September 2017 | 12:30 – 13:30 Uhr | KB-021 (Kupferbau)

Referentin
Nadine Marquardt (Bonn)

Diskutant
Simon Runkel (Heidelberg)

Beschreibung
Wohnen ist – so die These des Vortrags – im Anthropozän zu einem Schauplatz der Oikopolitik geworden, in der sich die Privatsphäre des Wohnens, der oikos, mit der Ökosphäre des Planeten verschränkt. Die ökologische Aufklärung der letzten Jahrzehnte hat nicht nur gezeigt, wie bedroht die Erde als Wohnstätte bzw. als „safe operating space for humanity“ ist, sondern auch das alltägliche Wohnen in Bezug auf diese planetarische Krise problematisiert. Dadurch ist die Wohnung zu einem zentralen Schauplatz ökologischer Modernisierung geworden. Der Vortrag untersucht ökologische und digitale Experimente in sog. smart homes und zeigt auf, wie neue sozio-technische Designs das Wohnen verändern. Die Aufmerksamkeit für technische Vermittlungsinstanzen, interfaces und boundary objects erlaubt es, eine Brücke zwischen Ansätzen zur Governance großtechnischer Systeme und Earth System Governance einerseits und Studien zur Gouvernementalität von Selbstführungen andererseits zu schlagen. Anstatt unvermittelt vom Kleinen zum Großen, von Mikro zu Makro, von der Privat- zur Ökosphäre zu springen, schlägt der Vortrag im Anschluss an Konzepte der Akteur-Netzwerk-Theorie vor, den infrastrukturellen Netzen zu folgen, die diese Bereiche miteinander verbinden.

The poverty of territorialism – neo-medieval spatial planning
Samstag, 30. September 2017 | 12:30–13:30 Uhr | NA-Aud. (Neue Aula)

Speaker
Andreas Faludi (Delft/NL)

Description
Territorialism, defined as seeking to control people and resources by controlling well-defined areas, is no way of dealing with contemporary issues. This becomes obvious when discussing the state of the European Union. Strengthening member states and their territorialism may lead to its disintegration. But, so may strengthening the Union by conceptualizing it, if it were a large territorial state. The lecture argues rather for accepting overlapping territorial and functional arrangements, much like in the empires of the Middle Ages. The premise is that European space should no longer be seen through the lens of territorialism. Instead, we should accept having to deal with overlapping and intersecting areas, each requiring its own governance.

European spatial planning, such as it exists, is already more ‘neo-medieval’ than one thinks. The implication, true for strategic planning in general, is to abandon the pursuit of spatially integrated policies for well-rounded territories, as if they were organic wholes. Instead, planning should produce parallel and overlapping schemes for a multitude of spaces and places that exist.

Migration and critical knowledge production within and beyond geography
Sonntag, 1. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | NA-014 (Neue Aula)

Panelists
Martina Tazzioli (Swansea/UK), Charles Heller (London/UK)

Charis
Mathias Rodatz (Frankfurt), Simon Sontowski (Zürich/CH) 

Description
movements, the interdisciplinary Journal for Critical Migration and Border Regime Studies aims at strengthening critical research on migration and cross-border movements and the powerful forms of governing them. At the same time, it offers a platform for critical reflections on migration studies’ own knowledge production, which has often problematized the movements of migration rather than the practices of bordering and their political, economic and juridical conditions. In this panel, we will reflect on both of these aims with two distinguished scholars, who engage in forms of militant/activist research. Martina Tazzioli has worked on the uneven European geographies of autonomous migration following the Arab spring, and Charles Heller on questions of illegalised migration and the violence of borders in the Mediterranean Sea. In the work of both, the possibility of producing “counter knowledges” has been central, and we will draw on this to discuss questions of research topics, methods and knowledge production within and beyond geography.

150 Jahre „Das Kapital“ – die politische Form und der Aufstieg der Rechten
Sonntag, 1. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | NA-Aud. (Neue Aula)

Referent
Bernd Belina (Frankfurt a. M.) 

Beschreibung
Marx hat in „Das Kapital“ den Begriff der Form revolutioniert, indem er ihn historisiert und sozialisiert hat. Wert, Geld und Kapital als spezifische soziale Verhältnisse der kapitalistischen Gesellschaftsformation sind die Formen, in denen gesellschaftlicher Reichtum produziert, realisiert und – historisch neu – akkumuliert wird. Auf dieselbe Weise wurde die spezifische Form des kapitalistischen Staates bestimmt, die auf der Besonderung und der relativen Autonomie des Politischen vis-à-vis des Ökonomischen basiert. Im Vortrag wird diskutiert, was ein solcher Begriff von Form zur Verständnis des aktuellen Aufstiegs der Rechten und dessen Geographie hierzulande und anderswo beitragen kann.

40 Jahre „STANDORT – Zeitschrift für Angewandte Geographie“
Sonntag, 1. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | KB-021 (Kupferbau)

Referenten
Marit Rosol (Calgary/US), Andreas Rieper (Hamburg)

Moderation
Martin Franz

Beschreibung

Stadt und Ernährung (M. Rosol): Die Nahrungsmittelbereitstellung gilt i.d.R. als Aufgabe des ländlichen Raums. Andererseits sind es vor allem die Städte, in denen Nahrungsmittel nachgefragt werden – sei es aus konventionellem oder alternativem Anbau. Darüber hinaus spielen Städte auch als Ort der Produktion, Logistik und Distribution sowie der Entsorgung eine zentrale Rolle. Nach einer kurzen Einführung in die Zusammenhänge des Ernährungssystems werden städtische Initiativen und Politiken zur Ernährungssicherung und Ernährungsgerechtigkeit in Kanada vorgestellt.

Aktuelle Trends im Einzelhandel (A. Rieper): Der Einzelhandelsstandort Innenstadt ist grundsätzlich gut positioniert, um auf die Herausforderungen des Online-Handels angemessen reagieren zu können. Da die europäische Innenstadt vielerorts nicht nur das ökonomische Herz einer Stadt ist, sondern auch ihr kulturelles, administratives und historisches, darf sie auf anhaltend hohe Besucherfrequenzen hoffen – dies jedoch nur, sofern Aspekte wie Gestaltung des öffentlichen Raumes, Citymanagement, Flächenverfügbarkeit und -qualität im Fokus der Standortsicherung stehen.

Geographiedidaktische Forschung im Spiegel von GDF und ZGD
Montag, 2. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | KB-021 (Kupferbau)

Referenten Impulsvortrag ZGD
Péter Bagoly-Simó, Ingrid Hemmer

Referenten Impulsvortrag GDF
Michael Hemmer, Yvonne Krautter, Jan Christoph Schubert

Beschreibung
Seit seiner Gründung ist es ein wichtiges Anliegen des Hochschulverbandes für Geographiedidaktik, die geographiedidaktische Forschung zu fördern. Gleich in den ersten Jahren wurden zwei Verbandsorgane ins Leben gerufen, die diesem Ziele dienen sollten. Die Zeitschrift für Geographiedidaktik (ZGD) erscheint aktuell im 45. Jahrgang, die Schriftenreihe Geographiedidaktische Forschungen (GDF) wurde vor 40 Jahren gegründet und umfasst derzeit 65 Bände. Grund genug, sich die auf den ersten Blick sehr beachtliche Leistung der jungen Wissenschaft Geographiedidaktik genauer anzuschauen. Die Analyseergebnisse werden in je einem Impulsvortrag zu den Zeitschriftenbeiträgen und zu den Bänden der Schriftenreihe vorgestellt. In einer sich anschließenden Diskussion mit dem Publikum soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern Zeitschrift und Schriftenreihe ein aussagekräftiges Bild über die geographiedidaktische Forschung vermitteln. Abschließend soll diskutiert werden, wie sich die beiden Organe weiter entwickeln können.

Exploring bio-social entanglements – co-experimentations on the city-psychosis nexus
Montag, 2. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | NA-Aud. (Neue Aula)

Referentin
Ola Söderström

Beschreibung
Geographers like other social scientists have learnt to look at biology and medicine with diffidence and distance. Diffidence because life scientists are suspected to be biological determinists. Distance because the social sciences have historically gained their autonomy and specificity by tracing a boundary separating them from the life sciences. As a consequence, disciplinary dialogue is usually reduced to critique (regarding for instance power/knowledge relations between psychiatrists and their patients) or pure service (e.g. concerning the location of healthcare facilities). Contra this impoverished dialogue, I will argue instead, together with other authors (e.g. Rose 2013), that new alliances are possible in a context where life scientists are increasingly post-determinist and social scientists increasingly interested in bodies and affects. Rather than purely theoretical, my argument will draw on an ongoing interdisciplinary research on the relations between urban living and psychosis. I will explain how we try to explore biosocial entanglements without reducing society to biology or biology to society. This involves, on the one hand, mutual learning and a reciprocal unpacking of our analytical categories and, on the other hand, the development of forms of ‘co-experimentation’ as a radical interdisciplinary intervention (Callard & Fitzgerald 2015). In my conclusion I will reflect on what such new alliances might mean for the future of research in geography.

Dienstag, 3. Oktober 2017 | 12:30–13:30 Uhr | KB-021 (Kupferbau)

Referent
Gillian Kidman

Beschreibung
‘Choice’ questions shape the field for research and actions. We make ‘choices’ in relation to the philosophical stances, the methodologies, and the impact of our research. This lecture will present the nature of the research ‘choices’ made by IRGEE researchers, reviewers, and editors of the past. It is important to understand what has been studied in the past and to determine what could be studied in the future. The content analysis of IRGEE in 2012 revealed interesting insights into IRGEE’s initial 18 years of research (geographical research out-published environmental research, the published topics of interest had increased more than threefold, and that all topics published in the early volumes were still relevant in terms of the 2012 publishing interests).  The content analysis has been updated to include the 25 year history of IRGEE, and this will be used to explore our changing ‘choices’ over time, and to outline future ‘choice’ directions for IRGEE. The questions of ‘choice’ is very important as these are invariably shaped by the increasingly complex and uncertain environmental, social and political realitiesof today.